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Die Tafel "Bergmannskapelle" ist eine Station auf dem  Themenwanderweg "Oberer Berggraben". Dieser wurde vom "Thüringerwald Verein" initiiert.

Der Wanderweg führt vom Amtshaus nach Stützerbach und folgt größtenteils dem historischen "Oberen Bergraben". Dieser wurde 1688-1691  als Kunstgraben für den Bergbau gebaut. Das Wasser floss vom mittleren Freibachteich, teilweise unterirdisch (Rösche), in die Pfaffenteiche bei Roda.

 

Was war die Bergmannskapelle? Radstube für die Wasserkunst des Schachtes
"Gottesgabe" oder, wie man in Ilmenau erzählte, Gebetshaus für die Bergleute
vor der Einfahrt in den Schacht. Sie sollen hier um Schutz für ihr Leben, aber auch
um reiche Ausbeute gebetet haben, den davon hing ihre Existenz ganz und gar ab.
Otfried Wagenbreth schreibt in seinem Buch "Goethe und der
Ilmenauer Bergbau" die Bergmannkapelle wäre ein Glockenturm, welcher die Zeit
angab für Schichtbeginn und -ende. Ganz sicher wird man es wahrscheinlich nie
wissen, es gibt keine Aufzeichnungen über dieses Gebäude. Das es eine Radstube
war, wird heute als das Wahrscheinlichste angesehen. Eine Betstube für
die Bergleute gab es im 1730 erbauten Zechenhaus, das ist belegt.
Was war aber in den Jahren davor? Vielleicht hat man sich doch zum Beten vor
Arbeitsbeginn bei der Bergmannkapelle getroffen.

In einer Radstube wachte ein Kunstknecht über das Laufen des Wasserrades.
Ein Glöckchen gab an, dass es in Betrieb war. Stillstand bedeute Gefahr für die
Bergleute im Schacht, denn dann wurde nicht abgepumpt, so dass
der Wasserstand durch das eindringende Grundwasser ständig stieg.

Der Schacht "Gottesgabe" war der einer der Hauptschächte in der 2. Periode des
Ilmenauer Bergbaus 1684-1739. Diese war gekennzeichnet durch verhältnismäßig hohe Erträge an Kupfer und Silber, aber auch durch Misswirtschaft und Schulden.
1736 beauftragte Herzog Ernst August den Vizeberghauptmann Imhof aus Cellerfeld mit einem Gutachten über den Ilmenauer Bergbau und dieser schrieb:
"Der "Gottesgaben-Schacht" war 65 Lachter (130) Meter tief, in ihm standen
46 Kunstsätze. Er war schon früher durch einen 135 Lachter (270) Meter
langen Stollen mit der Ilm verbunden, jetzt auch durchschlägig mit dem
Martinröder Stollen. Das angebaute Feld unter diesem Schachte erstreckte sich auf
dem Schieferflöz bis zum "Treppenschacht" und zum Ausgehenden
(Richtung Glashütte, Schleußinger Straße), nach der Stadt zu 280 Meter weit,
also bis ungefähr zur Marktstraße.
Die Sage erzählt, daß die Gänge bis unter die Kirche führen, wo noch  ein
silberner Hirsch verborgen sei." (Bleisch, Bilder aus Ilmenaus Vergangenheit)

 


Nach Agricola wurden Kunstgezeuge 1545 in Ehrenfriedersdorf  erfunden. Das man sie schon 1590 in den Revier auf der
Sturmheide einsetzte, zeigt dass man auf dem neusten Stand der Technik war. Die Radstuben und Wasserkünste waren
notwendig, um das immer wieder eintretende Grundwasser aus den Stollen und Schächten zu pumpen.
(Um der Wasser Herr zu werden, hatte man schon 1591 das Bett der Ilm mit großen Aufwand verlegt. )
Das Aufschlagwasser für die Räder bekam man aus dem oberen Ilmtal und den Freibachtal über Kunstgräben.
1590-1617 baute man den unteren Bergraben, der das Wasser von Manebach bis zum Schacht "Gottesgabe" brachte.

Es folgten 1688-1691
der obere Bergraben und
1697-1699 der mittlere Bergraben.
Dazu kamen die Freibachteiche
und die Manebacher Teiche. Um das
Grundwasser nicht auf die volle Höhe
anheben zu müssen, baute man
1592-1717 den Martinröder Stollen.
Er verband die Schächte in der Tiefe
miteinander und hatte ein Gefälle.
Nun bestand ein komplettes
System. Das Wasser wurde über
die Berggräben vom Ilmtal, als
Aufschlagwasser, zu den Bergwerken
gebracht und zusammen mit dem
hochgepumpten Grundwasser im
Martinröder Stollen ins
Reichenbachtal und somit in die Gera
geleitet. Wagenbreth schreibt dazu,
dass der technische Aufwand zu groß
war für nur einen gewinnbringenden
Erzgang. So überstiegen die Kosten
meist den Gewinn. Ein zweites
Problem war die Störanfälligkeit.
Es kam zu großen Havarien.
1739 durch den Bruch des Damms
des Freibachteiches, der die
2.Periode des Ilmenauer Bergbaus
beendete. 1796 setzte der Einsturz
des Martinröder Stollens den
Bemühungen des Geheimrats Goethe
und des Bergrats Voigt, den
Ilmenauer Bergbau wieder zu,
beleben, ein Ende.

 

      

Pumpenanlage nach G. Agricola (1494-1555)  



verwendete und empfohlene Literatur

J. C. W. Voigt
Geschichte des Ilmenauer Bergbaus 1821

*

P. Bleisch
Bilder aus Ilmenaus Vergangenheit
1910

*

Otfried Wagenbreth
Goethe und der
Ilmenauer Bergbau
1983

*

Autorenkollektiv
Ilmenau Bilder zur Geschichte einer Stadt 1998

*

 

 

 

 

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