Stifter der Tafel Ärzte und Zahnärzte im Ruhestand aus Ilmenau und Umgebung

Einweihung am 08.03.2016


Die Tafel wurde auf Initiative des Heimatgeschichtlichen Vereins Ilmenau angebracht.


Recherche über das Krankenhaus und Entwurf der Tafel
Dr. Wolfgang Burzlaff

   

  

  

 102 Jahre war dieses Haus das Krankenhaus von Ilmenau. Es entstand 1821 auf Initiative von  Dr. Fitzler, dem späteren Gründer der Kalt-Wasser-Heilanstalt in Ilmenau. Das ist erst 200 Jahre her, wie jung ist doch unser heutiges Gesundheitssystem.  Dieses Krankenhaus entsprach, solange es bestand, nicht unseren jetzigen Vorstellungen von einem geeigneten Ort zur Heilung von Kranken.

 

Dr. Fitzler war zu der Zeit der Entstehung des Krankenhauses Armenarzt und Stadtphysikus in Ilmenau.
Sein Antrag an das Großherzogtum in Weimar zum Bau einer Krankenanstalt wurde bewilligt. Man suchte dieses Haus im städtischen Besitz aus, weil es damals isoliert von anderen Wohnhäusern lag. Es war bestimmt für die "Aufnahme kranker Armer, sowie Dienstboten und Handwerksburschen". Jeder, der über eine Wohnstätte verfügte, so klein sie auch war, wurde also dort behandelt und auch operiert. Wahrscheinlich wollte auch keiner ohne zwingende Not in das Krankenhaus eingeliefert werden.

 
 

Nachdem das Haus 1821 umgebaut war, verfügte es im Erdgeschoss über 9 Betten und eine Totenkammer. In der Mansarde wohnte der Krankenwärter. Dieser musste immer zur Stelle sein.  Er übernahm nicht nur die Pflege der Kranken, sondern war auch für ihre Verpflegung, das Waschen der Wäsche, die Reinigung des Hauses und dessen Verwaltung zuständig.
Zur Zeit der Gründung des Krankenhauses war Dr. Fitzler der einzige Arzt in Ilmenau, aber mit Gründung der Kaltwasserheilanstalt nahm die Anzahl der Ärzte schnell zu. Hatte ein behandelnder Arzt einen Patienten in das Krankenhaus eingewiesen, musste er zu seiner Behandlung mit allem notwendigen Gerätschaften im Krankenhaus erscheinen. In der restlichen Zeit hatte der Krankenwärter die volle Verantwortung. Erst 1919 wurde ein Arzt für das Krankenhauses fest eingestellt.
Bald reichten die Betten das Krankenhauses nicht mehr aus. Der Gemeindevorstand von Ilmenau fasste den Beschluss, dass Haus aufzustocken. Es erhielt  ein Obergeschoss in dem sich 4 Krankenzimmer befanden. Im Untergeschoss befand sich die Wärterwohnung und eine Armenwohnung. Das Gebäude bekam damals seine heutige Form. Dennoch war nicht alles zu Besten bestellt. Die Kranken mussten das enge Treppenhaus heraufgebracht werden. Es gab keinen Raum für Operationen, im Obergeschoss gab es kein Wasser, es herrschte überall Platzmangel, auch in der Wohnung des Wärters. Vor allem war die fehlende Gasbeleuchtung im ganzen Haus ein Grund zur Klage für die Ärzte. Richtig hell war es nur am Tage, abends, an trüben Tagen und gar in der Nacht musste bei schlechter, unzureichender  Beleuchtung operiert werden.



Dr. Fitzler (1788-1862)

Quelle: R. Döring, Die Ilmenauer Promenaden

 
 

 In der folgenden Zeit wurden immer wieder Verbesserungen vorgenommen. So kam 1893 ein Krankenhausgarten dazu.  In den folgenden Jahren wird die Armenwohnung ausgelagert, an ihrer Stelle neue Krankenzimmer geschaffen. Die Wärterwohnung wird um Waschhaus und Speisekammer vergrößert.  Das Obergeschoss erhält fliesendes Wasser.  Die sanitären Einrichtungen werden verbessert und eine Gasleitung verlegt.

 
   

Lageplan des Krankenhauses nach 1893

Der Krankenhausweg ist die heutige Neue Marienstraße.
1 - Krankenhaus, 2 - Gemeindebullenstation, 3 - Wohnung des Hirten, 4 - Krankenhausgarten,
5 - Heusingersches Stift

Quelle: Stadtarchiv Ilmenau
 

 
 

Nach der Jahrhundertwende stieg die Einwohnerzahl Ilmenaus schnell an. Es gab immer mehr Arbeiter in den Fabriken, Glas -und Porzellanindustrie wuchsen. An das neue Technikum kamen Studenten. Auch wurde die Eisenbahnlinie durch Ilmenau gebaut und mit ihr kamen Arbeiter. Aber auch der wachsende Kurbetrieb brachte viele Fremde nach Bad Ilmenau. Alle mussten betreut werden, wenn sie erkrankten oder einen Unfall erlitten. Das Krankenhaus war dieser Aufgabe  in keinster Weise gewachsen. Immer wieder setzten sich die Ilmenauer Ärzte in dieser Zeit für einen Neubau ein. Beklagten die hygienischen Verhältnisse, die Enge und den Straßenlärm. Vor allem aber wiesen sie auf den Mangel an Isolierzimmern für Patienten mit ansteckenden Krankheiten hin.

 

 



Ansicht nach 1863

Quelle: Dr. Riedel, Freies Wort


 

Doch lange Zeit verhinderten finanzielle Schwierigkeiten einen Neubau. So stellte man 1907 zusätzlich eine beheizte Baracke als Behelfslösung auf. Dann verhinderte der 1. Weltkrieg den Bau eines größeren Krankenhauses.
Dr. Grimm, ab 1919 Leiter des Krankenhauses, setzte sich sehr für den Neubau ein, aber erst sein Nachfolger
Dr. Zimmermann konnte 1923 in das neue, moderne Krankenhaus mit 80 Betten umziehen. Zu diesem Haus kamen bis heute immer wieder neue Gebäude, es war der Anfang unseres jetzigen Krankenhauses. 
Das Haus in der Porzellanstraße wurde zum Wohnhaus und das ist es noch bis heute.

 
 

Ansicht 2016  

verwendete und empfohlene Literatur

 Autorenkollektiv
Ilmenau
Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte der Stadt und Umgebung
2014

Geheimrat
Februar/März
2014

Freies Wort
9.3.2016 Artikel

 Thüringer Allgemeine 9.3.2016 Artikel

  

 
 

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