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Bericht über die Veranstaltung des Vereins am 25.1.2012
von Günter Andrä


Ilmenauer Mundart

Seit längerer Zeit kam es im Vorstand des Vereins und unter Vereinsmitgliedern zu Gesprächen über das Thema Mundart bzw. Umgangssprache. Anfang der 50er Jahre gab es in den „Ilmenauer Blättern“ des Kulturbundes regelmäßig kleine Abhandlungen und Kurzgeschichten in Mundart. Diese Kurzgeschichten wurden seitdem immer wieder mal in geselliger Runde vorgetragen. Seit dieser Zeit ist aber nur wenig Neues dazugekommen. Wie sollte man heute mit diesem Thema umgehen? Dazu war ich im Erfurter Volkskundemuseum in der „Volkskundlichen Beratungsstelle“ bei
Frau Dr. Braune und fragte sie um Rat. Von ihr erfuhr ich, dass es schon eine ganze Reihe wissenschaftlicher Arbeiten zu diesem Thema gibt. Die Gebiete, in denen ähnlich gesprochen wird, sind erfasst und geordnet. In den einzelnen Regionen wurden Wörter und Ausdrücke gesammelt und auch veröffentlicht. Es gibt also schon viel Material auf das man sich beziehen kann.
Da unser Verein nur ein Zusammenschluss und ein Gesprächsforum heimatgeschichtlich interessierter Bürger ist, würde eine gemeinschaftliche größere Arbeit zu einem bestimmten Thema schwer fallen. Gut möglich ist aber, dass wir das Augenmerk der Vereinsmitglieder auf bestimmte Themen lenken und das Ergebnis dann sammeln und gemeinsam besprechen.
So sollte es auch mit dem Thema Mundart sein.
Nach mehreren kurzen Episoden in den letzten Zusammenkünften sollte es im Januar Hauptthema sein. Speziell darauf vorbereitet haben sich Frau Barbara Neumann und Frau Ruth Böhme. Frau Böhme konnte in ihrer Zeit an der Kasse der Konsum-Kaufhalle viele Eindrücke zu diesem Thema sammeln.
Zu meinem Erstaunen reichten die Stühle in der Alten Försterei kaum aus. Es kamen über 40 interessierte Vereinsmitglieder und Gäste. Wie interessant das Thema auch heute noch ist, konnte man daran erkennen, dass Frau Hube vom Freien Wort und
Herr Dr. Veith von der Thüringer Allgemeinen anwesend waren und sich Notizen machten. Nach einer Einführung und einem Vergleich zwischen Sächsisch und Thüringisch von Frau Neumann trug Frau Böhme mehrere Episoden im Ilmenauer Dialekt vor. Hier gefielen besonders eigene aktuelle Erlebnisse, vorgetragen in Mundart.
Die Vorträge und die anschließende Diskussion wurde von Martin Siebert auf einen Tonträger in Stereo aufgenommen. Dieses und andere Dokumente sollen in einer noch aufzubauenden Datenbank erfasst, sicher gespeichert und bei Bedarf unter unterschiedlichsten Gesichtspunkten gesucht und auch gefunden werden.
In der Aussprache nach den Vorträgen von Frau Böhme berichtete Frau Monika Meyer aus Manebach wie man dort an dieses Thema herangegangen war. In Manebach gibt es sogar schon eine CD mit Mundart-Texten. Dem Thema hat man sich über verschiedene Alltagsthemen genähert: Arbeit und Beruf, Landwirtschaft, Handel, usw. Diese Herangehensweise halte ich für sehr gut und empfehlenswert. Herr Dr. Dieter Bernet aus Oehrenstock erzählte, dass er und seine heimatgeschichtlichen Mitstreiter auch auf der Suche sind und das Thema Mundart bearbeiten wollen. In mehreren Anmerkungen berichtete Klaus Jahn (ein gebürtiger Masserberger) über die mundartlichen Eigenarten seiner Region und gab Anregungen für unsere Arbeit.
Viel Beifall fand auch der Vortrag von Lothar Tischer aus Willmersdorf. Er hat eigene  Mundart Gedichte über seine Heimat vorgetragen. Aus diesem Vortrag wurde deutlich, dass diese Region mundartlich mehr zur Rudolstädter Richtung (Anton Sommer) gehört.
Insgesamt war dies ein sehr gelungener Abend und es gab viel lobende Zustimmung. Wir werden dieses Thema auch in Zukunft bearbeiten. In der Aussprache gab es die Anregung, kleinere Szenen aus dem täglichen Leben oder der Arbeitswelt zu beschreiben und dann in Mundart zu übertragen. Dadurch würden Arbeitstechnologien lebendig erhalten und außerdem die Mundart. Beispiele dafür könnten sein Glasmacher beim Röhrenziehen, Einträger in der Glashütte, Kutscher beim Führen der Pferdefuhrwerke, Arbeiten auf der Dreschmaschine (Getreide), Holzmacher beim Fällen der Bäume, usw. Bei all diesen Arbeiten gab es spezielle Ausdrücke. Mit dem Verschwinden der alten Technologien verschwanden auch die Ausdrücke.
Dazu sind wir für jeden Hinweis, für jede Anregung und vor allem für jede Mitarbeit dankbar.

Günter Andrä